Bibeltexte und Buck-Kompositionen

Nein, es war kein Zufall, dass ausgerechnet Wolfgang Buck zur 60. Veranstaltung der Dorfpfarrerwoche ins Evangelische Bildungs- und Tagungszentrum nach Pappenheim eingeladen wurde: Hatte doch der inzwischen beurlaubte Pfarrer vor Jahren selbst an dieser traditionsreichen Veranstaltung der Landeskirche teilgenommen  –  und bereits damals in trauter Kollegenrunde die Gitarrenseiten zum Klingen gebracht. „Die Anfänge der musikalischen Karriere von Wolfgang Buck liegen also in der Dorfpfarrerwoche“ eröffnete der Leiter des EBZ, Gerhard Schleier, mit einem Augenzwinkern den musikalisch-literarischen Abend, der in der Turnhalle des Bildungshauses stattfand.

Unter dem Titel „Aufs Maul gschaut“ präsentierte der Liedermacher gemeinsam mit dem Schauspieler Stefan Kügel fränkische Songs und Texte aus der Lutherbibel. Diese Kombination hat es wahrlich in sich: Luthers bildhafte Sprache, die sich mit eigenwilligen Ausdrücken und poetischen Bildern ins Gedächtnis einprägt, steht in diesem Programm Seite an Seite mit einfühlsamen und energiegeladenen Dialektsongs des fränkischen Musikers. In dem Wunsch, sich so lebensnah wie möglich auszudrücken, finden die beiden Programmbestandteile ihren Konsens: „Dem Volk aufs Maul schauen“ – die Dinge in Alltagssprache auf den Punkt bringen.

Dass Bibeltexte und Buck-Kompositionen harmonieren, ist bereits bei der Lesung der Schöpfungsgeschichte zu spüren. Die vom Theatermacher Stefan Kügel eindrucksvoll vorgetragenen Textpassagen über das Paradies verbinden sich mit Bucks persönlicher fränkischer Nationalhymne „Sambesi“. Während er besingt, wie die Sonne im Aischgrund versinkt, kommt das den Vorstellungen des ein oder anderen Konzertbesuchers über den Garten Eden sicherlich ganz nahe.

Bekannte Bibeltexte wie die die Hochzeit von Kanaa, das Gleichnis vom Senfkorn oder die Seligpreisungen werden mit Liedern gekoppelt, die von menschlichen Schwächen und Stärken handeln. Engstirnigkeit, Neid und Fremdenfeindlichkeit finden dabei ebenso ihren Platz wie Liebe, Glück und Zärtlichkeit.

Stefan Kügel liest ausdrucksstark und facettenreich. Mit im Gepäck hat der Betreiber des Theaters „Kuckucksheim“ auch einige Puppen aus seinem Fundus, die bei ausgewählten Textpassagen zum Einsatz kommen. Der Tanz Kügels mit einer Stabpuppe in Frauengestalt, bei der Lesung des hohen Lieds der Liebe füllt die altehrwürdigen Bibelworte mit prallem Leben – wer das gesehen hat, wird sich bei der nächsten Begegnung mit den Versen mit Sicherheit an diese lebensfrohen Bilder erinnern.

Der Abend schließt mit einem Auszug aus der Bergpredigt und Bucks nachdenklicher Ode an das „ Glügg“. Viele kleine Glücksmomente können einem durch die Lappen gehen, wenn man sein Glück nicht im Jetzt sondern im Morgen sucht: „Und wenn der Wind diech streichd na merksnern ned/ und wenn die Wiesn duft na riechsders ned/ weil du suchsd dein Leben nach vorn / und du maansd die Glügg kummd morgn“. Mit diesem Plädoyer für das bewusste Leben schickte das Künstlerduo die Besucher in den Abend hinaus – und wer weiß, vielleicht auch mit einem kleinen Glücksmoment über eine berührende Begegnung mit Buck, Kügel und dem Luther seine Bibel.