Gesellschaftliche Relevanz stärken

Es kann Orientierung bieten, den Horizont erweitern und so entscheidende Weichen stellen im psychosozialen Moratorium des jungen Menschen: das „Freiwillige Ökologische Jahr“ – kurz FÖJ. In Bayern kann es auf eine 20jährige Geschichte zurückblicken. Auch die Tagung der Einsatzstellenvertreter im Evangelischen Bildungszentrum Pappenheim (EBZ) stand im Zeichen des runden Geburtstags.

Die ersten jener Freiwilligen seien heutzutage längst selbst Eltern, die ihre eigenen Kinder ermutigten, es ihnen gleich zu tun. So betonte es Landesjugendpfarrer Hans Gerd Bauer im Vorfeld einer Diskussionsrunde. Dass die Väter und Mütter damit  auch im ureigenen Sinne ihres Nachwuchses handeln, machte Klaus Wolfrum deutlich, Kreisvorsitzender des LBV (Landesbund für Vogelschutz). Seine Erfahrung als Einsatzstellenleiter sei es, dass Jugendliche und junge Erwachsene oft als Unentschlossene ein FÖJ begännen und es dann mit konkretem Berufswunsch beendeten. Dass es sich nicht schadet, sich 365 Tage am Stück einmal mit existenziellen Fragen rund um unsere Lebensgrundlagen sowie globalen Zusammenhängen zu beschäftigen, stehe ohnehin außer Frage. So sah dies auch die Landessynodale und Thalmässinger Gemeindereferentin Brigitte Reinard. Zu einer solchen Sensibilisierung für die Natur gesellten sich die Ausbildung von politischer Sprachfähigkeit und politischem Fingerspitzengefühl bei den teilnehmenden Heranwachsenden dazu. Zugleich bedauerte sie aber, dass die evangelische Kirche selbst zu wenig Vorbildfunktion ausübe. Das in den eigenen Reihen ausgearbeitete Umweltmanagement namens „grüner Gockel“ fände immer noch zu wenig Umsetzer. Was die Bedeutung des FÖJ selbst anbelangt, sei man aber mittlerweile auf einem guten Weg, wie es auch der CSU-Landtagsabgeordnete Michael Brückner befand. Das Programm sei in seiner ersten Zeit „mildtätig belächelt“ worden, habe aber nun das Renommee eines soliden Bildungsbausteins, der junge Menschen gezielt diversen Berufen zuführt. Was hier gelernt werde, lasse sich auf verschiedene Lebensbereiche übertragen und dort anwenden. Das Angebot eines Freiwilligen Ökologischen Jahres sei heutzutage wichtiger denn je, da sich die Gesellschaft in ihrem kollektiven Bewusstsein so weit wie nie von der Natur entfernt habe. Da sei sei es sehr sinnvoll für einen Jugendlichen, diese einmal durch alle vier Jahreszeiten zu begleiten, was den Blick für die Umwelt schärfe und ihn zu einem „richtig guten Multiplikatoren“ mache. Brückner versäumte auch nicht zu erwähnen, dass der Etat für die Umweltbildung im Freistaat im aktuellen Nachtragshaushalt aufgebessert wurde. Christoph Goppel, Leiter des entsprechenden Referats am Umweltministerium winkte aber für den kommenden Doppelhaushalt gleich wieder ab. Angesichts der schwierigen politischen Situation sei es schon ein Gewinn, wenn die FÖJ-Fördergelder in jetziger Höhe bleiben könnten. Die Eigenständigkeit des Programm sei weiterhin „zwingend erforderlich“, erteilte er Bestrebungen eine Absage, die eine Zusammenlegung mit dem FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) fordern. Die „Artenvielfalt“ gelte es auch im Angebotsbereich zu erhalten, hieß es ergänzend am Rande der Tagung. Goppel ermunterte auch, verstärkt die Werbetrommel für das FÖJ zu rühren, es an die Stammtische und in die sozialen Netzwerke (nicht nur) des Internets zu bringen: „Es muss schick werden, ein FÖJler zu sein!“ Auch das Kultusministerium solle größere Aufgeschlossenheit zeigen. Das Ableisten eines solches Jahres dürfe kein Hindernis bei einer Bewerbung um einen Studienplatz, sondern solle für einen solchen eher von Vorteil sein. Jenes Anliegen habe er schon schriftlich eingebracht. Reinard wiederum gelobte, das Freiwillige Ökologische Jahr als Thema in die Synode zu tragen, Brückner lud die Verantwortlichen in den Landtag ein, um das Programm dort präsentieren zu können. Was Ingrid Auernhammer sehr gerne an nahm, ihres Zeichens FÖJ-Referentin der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) als einer der drei Träger (der Bund der Deutschen Katholischen Jugend und die Jugendorganisation des Bund Naturschutz sind die anderen). Dies sei eine hervorragende Gelegenheit, das Gespräch mit Abgeordneten zu suchen, wie sie es zuvor schon empfohlen hatte. Auch Moderatorin Ilona Schuhmacher, Referentin für Grundsatzfragen bei der EJB, zeigte sich erfreut über dieses konkrete Ergebnis ihrer Nachfrage. Das Programm selbst führt bis heute ein Nischendasein, 180 Einsatzstellen mit insgesamt über 200 Freiwilligen gibt es. Nicht alle Willigen finden einen Platz. Warum man denn dann werben soll, wenn das Angebot kleiner als die Nachfrage sei, gab man an den Tischen zu bedenken. Über eine bessere Bezahlung der Teilnehmer solle auch nachgedacht werden – müssten sie sich eine Wohnung mieten, bleibe fast kein Geld mehr monatlich übrig. Schwierig sei es, im Rahmen der FÖJ-Arbeit Chancen für Flüchtlinge zu eröffnen. Man sähe allerdings Chancen im Rahmen von gemeinsamen Projekten.