Landwirte auf dem falschen Weg?

Bei einer Tagung im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum ließen sich die Haus- und Landwirtschaftsmeister bei der Vorstellung der Heizomat-Firmengeschichte vom Werdegang des Unternehmens inspirieren.

Lesen Sie hier den Beitrag von Jürgen Leykamm (Weißenburger Tagblatt):

Viele gute Ideen nahmen ihren Anfang in der Garage. Das war bei Microsoft-Gründer Bill Gates genauso der Fall wie bei Robert Bloos, der in einer solchen Räumlichkeit den „Heizomat“ erfand und mit der gleichnamigen Firma heute auf internationalen Parkett agiert. Der beginnt eigentlich in jenem Augenblick, als Robert Bloos in seinem Geburtsort Oberweiler (Gemeinde Meinheim) zu tüfteln anfängt. Denn fürs eigene Haus soll die passende Heizung her. Er setzt auf den nachwachsenden Rohstoff Holz einerseits und auf Automatik andererseits. Im Unterstellraum fürs Auto geht er nachts zu Werke, um vor den Augen der Nachbarn verschont zu bleiben. Bald steht das Ergebnis: eine automatische Befeuerungsanlage mit Hackschnitzeln – eben der „Heizomat.“ Aus der Garage wird die erste Produktionsstätte und die wird bald zu klein. So entsteht auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb seines Onkels die erste Fertigungshalle in Maicha bei Gunzenhausen, eine weitere folgte. Die Produktpalette erweitert sich: 1987bietet die Firma als erste weltweit Hackschnitzelheizkessel mit automatischer Brennraumentaschung an. Zwei Jahre später beginnt man mit der Produktion von Trommelhäckslern. Seitdem könne man „alles aus einer Hand“ anbieten, betonte Geschäftsführer Ernst Herrmann in Pappenheim bei der Fortbildungstagung für Meister und Ausbilder in der Haus- und Landwirtschaft. 2005 gelingt der große Coup und Bloos erwirbt das Gelände der einstigen Hahnenkamm-Kaserne bei Heidenheim für satte zwei Millionen Euro. In den beiden Produktionsstätten stehen nun Hallen mit einer Gesamtgröße von sieben Fußballfeldern für die Herstellung der verschiedenen Maschinen und Geräte bereit. So sehr die Firmengeschichte die Tagungsteilnehmer auch staunen ließ, so brachte sie die Anwesenden doch auch ins Grübeln. Den Gedanken eine Stimme verlieh der ehemalige Landwirt und jetzige Lebensmittelhersteller Helmut Höfler aus Cadolzburg. Die Heizomat-Chronik zeige, „dass die Entwicklung eines Betriebes den ganzen Unternehmer fordert“, so Höfler. Bloos habe sich ganz auf die Idee des Heizens mit Hackschnitzeln fokussiert und sich eben nicht betriebswirtschaftlich möglichst breit aufgestellt. Diese Philosophie der vielen Standbeine werde aber heutzutage den Bauern empfohlen. „Dann ist der Landwirt ja auf dem völlig falschen Weg“ gab der Cadolzburger zu bedenken. Denn in dieser Branche sei es nicht selten der Fall, dass man mit dem einen Betriebszweig zu wenig verdient und deshalb noch einen weiteren sprießen lässt: Ackerbau, Biogas, Direktvermarktung, Hofcafé. Aber überall 100 Prozent zu geben, gehe nun einfach mal nicht. „Das sollten wir aus dem Vortrag lernen“, so Höfler. Auch was die Weitergabe eines Unternehmens anbelangt, waren die Ausführungen Herrmanns hilfreich. Denn Bloos, der Vater von vier Kindern ist, hat die betriebliche Nachfolge unter Dach und Fach. Wie das gelang? Er habe auch als Firmengründer und -chef Zeit „Familie gelebt“, Zeit für die Kinder gehabt und sie fürs eigene Tun und Tüfteln begeistert, so Herrmann über Bloos. Bei ihm hätte die junge Generation zwar auch das Arbeiten und den Fleiß als Tugend kennengelernt, sei aber nicht ausgenutzt worden. Herrmann: „Wenn man den Nachwuchs ständig überfordert, braucht man sich nicht wundern, dass der dann später zum Vater sagt: Mach Deinen Kram alleine…“ Einige Strategien aus dem Haus „Heizomat“ dürften sich indes als schwer auf den Agrarbetrieb zu übertragen erweisen. Dass Verträge möglichst einfach zu stricken sind und auch der Handschlag noch etwas gelten muss – das sehe wohl auch viele Landwirte so, allein die Bürokratie stellt oft andere Anforderungen. Und auch die Devise „erst ansparen, dann investieren“ lässt sich in kleinbäuerlichen Betrieben nicht so ohne weiteres umsetzen. Der Erfolg allerdings gibt Bloos Recht. „Von der Idee zum eigenen Unternehmen“ (so auch der Titel des Vortrags) und in dessen weiterer Entwicklung habe er „Fachwissen und Mut“ bewiesen, so das Fazit von Elisabeth Forster, Bezirksvorsitzende des Verbands landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder (VlM). Der Vortrag Herrmanns und die anschließende Diskussion bildeten den Auftakt der zweitägigen Fortbildungstagung, die unter dem Motto „Ideen für die Weichenstellung in Unternehmen und Familie“ stand.