Raus aus dem Jammersumpf!

Beim Dekanatsfrauentag erklärte Kommunikationstrainerin Margit Hertlein im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum, wie man eingefahrene Verhaltensmuster durchbrechen kann – und das auf eine überaus humorvolle und unterhaltsame Art.

Lesen Sie hier einen Bericht von Markus Steiner, Weißenburger Tagblatt:

Hertlein braucht weder einen Laptop noch Powerpoint oder Manu­skript. Die studierte Ethnologin setzt viel lieber auf Humor, um das Publikum für ihre Thesen zu begeistern. Ihre Kernbotschaft, die die gut 250 Frauen mit nach Hause nehmen sollten: weniger jammern, dafür mehr loben. Wenn das schon kein anderer tut, darf man sich ruhig selbst einmal loben. Denn (Eigen-)Lob – das steht für Margit Hertlein fest – ist wichtig, um seine Ziele zu erreichen.

Jammern führt dagegen selten ans Ziel. Das musste auch die frühere Geschäftsführerin eines Autohauses erst lernen. Nach etlichen verschiedenen Diäten und Erfahrungen mit verschiedenen Sportarten hat Hertlein gelernt, sich und ihren Körper so zu akzeptieren, wie er eben ist. Das gelang ihr vor allem mit Humor: „Ich wollte immer ein Rehlein sein. Heute weiß ich, dass ich ein Rehlein bin, das im Körper eines Wasserbüffels gefangen ist . . .“

Mit Sprüchen wie diesen hatte sie die Sympathie ihres Publikums schnell auf ihrer Seite. Bei allem Jux und aller Tollerei verlor die Trainerin dennoch ihr eigentliches Ziel nicht aus den Augen. Um sich selbst bewusst zu machen, was man eigentlich von seinem Leben erwartet, müsse man sich immer wieder die Frage stellen: „Will ich überhaupt dahin?“ Denn manchmal habe man die Ziele nur von anderen übernommen. Auch Hertlein ging deshalb als Kind zum Ballettunterricht oder spielte danach Tennis und joggte täglich durch den Wald – in der Hoffnung, dass sich eines Tages der versprochene Kick einstellen würde: „Ich habe ein Jahr lang hinter jedem Baum geschaut, ob nicht doch mal ein Endorphin vorbeikommt . . .“ Irgendwann versöhnte sie sich dann mit ihrer Figur und akzeptierte sich so, wie sie eben ist. Aus diesem Grund hat sie auch ihre Waage entsorgt und weiß nicht genau, wie viel sie wiegt, was für eine weitere Anekdote gut war. Als sie beim letzten Krankenhausaufenthalt vom Narkosearzt gefragt wurde, wie viel sie denn wiege, antwortete sie ihm: „Schätzen Sie doch mal.“ Als Profi müsse so ein Arzt doch in etwa wissen, was eine Frau mit ihrer Figur wiege. Erfahrenen Bauern gelänge das bei ihren Kühen schließlich auch bis auf das Pfund genau.

Es sind Geschichten wie diese, die Hertleins Vortrag unterhaltsam und kurzweilig machen, den Frauen aber auch eine zentrale Botschaft mit auf den Nachhauseweg geben sollen: „Stelle Dir die Frage, wo will ich eigentlich hin?“ Um motiviert zu bleiben und das Ziel zu erreichen, kann das bereits erwähnte Eigenlob helfen, das man durchaus mit kleinen Requisiten aufpolieren kann. So hat Hertlein in ihrem Büro ein kleines Diadem zur Hand, das sie sich bei Bedarf aufsetzt. „Lobe Dich selbst, denn nicht gelobt wirst Du ja ohnehin schon“, lautet ihre Erfahrung. Zudem trägt so ein Diadem dazu bei, sich selbst nicht so ernst zu nehmen.

„Wer wurde heute schon gelobt?“

Dass Hertleins Thesen nicht aus der Luft gegriffen sind, belegte die spontane Umfrage im Saal: „Wer ist von Ihnen heute schon gelobt worden?“ Von den mehreren Hundert Frauen meldete sich keine einzige – traurig genug . . . Dabei wäre Lob so wichtig, weiß Hertlein: „Lob ist wie Nahrung, wir brauchen es immer wieder.“ Für die Frauen, die ein Lob-Defizit haben, hatte die „Vortragsrednerin des Jahres 2013“ eine praktische Übung mit nach Pappenheim gebracht. Die jeweilige Sitznachbarin sollte in die offene Hand des Gegenübers Lob reinlegen. Das durften die Frauen sich dann als „Lob-Rouge“ auf die Wangen auftragen, begleitet mit den Worten: „Ich bin toll!“ Abschließend ermunterte Margit Hertlein die Frauen, ihr Lobschälchen am Dekanatsfrauentag mit ganz viel Lachen zu füllen und mit nach Hause zu nehmen. Schließlich mache Angst dumm, Lachen hingegen gescheit.